Migranten helfen Migranten beim Deutschlernen

Migrants help migrants to learn German

المهاجرين يقدمون المساعدة للمهاجرين بتعلم اللغة الألمانية

مهاجران به يكديگر براي يادگيري زبان آلماني كمك مي كنند

Es kommt vor, dass nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer einen der offiziellen Sprachkurse erfolgreich beendet. Da ist Hilfe angesagt. Das Hauptproblem: In den Kursen werden einsprachige Lehrwerke deutscher Großverlage  benutzt.  Hier wird noch ein Alles-auf-Deutsch- Ansatz verfolgt, ohne die Herkunftssprachen der Teilnehmer zu berücksichtigen. Dieser Ansatz ist jedoch für Anfänger grundverkehrt. Denn für Erwachsene führt der sicherste und schnellste Einstieg in eine Fremdsprache über ihre Muttersprache, zur Not auch über eine andere, schon erlernte Sprache (z.B. Englisch als Brückensprache zum Deutschen).  Die muttersprachliche Mithilfe ist besonders willkommen, wenn es sich wie beim Deutschen für die meisten Lerner um eine nicht-verwandte, sperrige Sprache handelt.

Was tun, wenn in einem Kurs Schüler mit ganz unterschiedlichen Herkunftssprachen zusammen kommen? Warum nicht zwischendurch – also ergänzend –  auch mal Texte verwenden, für die Übersetzungen in den jeweiligen Muttersprachen vorliegen? Jeder hat den gleichen deutschen Text zusätzlich in seiner Eigensprache mit der vertrauten Schrift und damit auch ein Stück Heimat.  Alle verstehen alles.

So haben wir haben inspirierende Bibeltexte ausgewählt, sprachlich stark vereinfacht und übersetzt (Niveaustufe A2).  Ehemalige Migranten liefern eine Zeile-für-Zeile Übersetzung in ihrer Muttersprache – ideal zum Deutschlernen. Wikibiblia verfolgt mithin ein doppeltes Ziel: Migranten ein wenig vertrauter zu machen mit unserer Sprache und zugleich mit unserem christlichen Erbe als Teil unserer Kultur.

Dabei soll auf keinen Fall missioniert werden oder Ähnliches. „Wenn Gott unendlich ist, dann muss es auch unendlich viele Wege zu ihm geben.“ (Ramakrishna) Der Prophet Mohammed sagt es so: „Die Wege zu Gott sind so zahlreich wie die Atemzüge der Menschen.“  Gott spricht alle Sprachen. In diesem Sinne ist Bereicherung, nicht Eingemeindung das Ziel.

Du kannst die Geschichten hier lesen, hören und nachsprechen. Das Angebot ist kostenlos. Wir werden im Laufe der Zeit immer mehr Übersetzungen sammeln, damit wir dieses Angebot so vielen Menschen wie möglich machen können.

Unter der Rubrik „Bonusmaterial“ findest du im gleichen lerngünstigen bilingualen Format weitere Texte und eine Reihe von Dialogen zum Einüben und  Nachspielen mit Partnern. Sie enthalten wichtige Wörter und Wendungen für den Alltag von Migranten (Niveaustufe A1), zuzüglich Übungen. Wörter und Wendungen für den Unterricht (Deutsch / Englisch / Arabisch / Persisch) findest du unter „Kommunikation im Unterricht“.

Unser Motto

Nur wer ihre Muttersprachen mit ins Spiel bringt, holt seine Schüler da ab, wo sie sind.

Only those who promote the interplay of their students‘ mother tongue are actually meeting their students where they are.

Seul celui qui intègre la langue maternelle de ses élèves peut les trouver là où ils sont.

Yabancı dil öğreten öğrencilerinin ana dilini de gerektiğinde açıklamalara katarsa onlarla buluşabilir.

تنها کسی که زبان مادری شاگردانش را در آموزش به کار می بندد، همراهی اش را با شاگردانش دقیقا از جایی که قرار دارند، آغاز می کند.

تنها کسی که زبان مادری شاگردانش را در آموزش به کار می بندد، آن ها را دقیقا در جایی که واقعا هستند، سوار می کند.

只有那些用他们母语合作的人,才会把他们的学生带到他们所在的原地

Alleen degene die hun moedertaal in het spel brengt, treedt zijn leerlingen daar tegemoet, waar zij zich bevinden.

Tylko ci nauczyciele, którzy wykorzystują język ojczysty, nie zgubią swoich uczniów.

 

Integrationskurse: ein Ärgernis!

Seit den siebziger Jahren konnte man wissen, dass man es Millionen von Fremdsprachenschülern einfacher macht, wenn Lehrer und Lehrbücher die Muttersprachen mit ins Spiel bringen. Leider hat sich hier in all den Jahren zu wenig getan. Das wird besonders deutlich in unseren Integrationskursen, wo die Lehrer schon jahrzehntelang einsprachig unterrichten, also alles auf Deutsch machen.

Die Landesregierung (NRW) will nun (2019) unentschuldigtes Fehlen bei den Integrationskursen sanktionieren.  Die Erfolgsbilanz der Kurse müsse dringend verbessert werden. Völlig richtig. Ich verspreche mir aber mehr davon, wenn man an den Kursen selbst etwas verbessert. Denn es wird übersehen, dass das Durchhaltevermögen der Flüchtlinge durch den herrschenden Alles-auf-Deutsch- Ansatz unnötigerweise auf eine harte Probe gestellt wird. Viele von uns, die in Fremdsprachen brilliert haben, können nicht ermessen, was es bedeutet, wenn ein Großteil des Unterrichts über die Köpfe hinwegrauscht. Manche werfen frühzeitig das  Handtuch und bleiben weg, und von denen, die verbleiben, scheitert immer noch die Hälfte, manchmal  gar mehr.  

Denn der einsprachige Ansatz ist für Anfänger grundfalsch. Das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Bei meiner Arbeit mit Flüchtlingen erfahre ich  immer wieder aufs Neue, wie wertvoll die Mithilfe der Muttersprache besonders bei Sprachen sein kann, die mit der unseren kaum ein Wort gemein haben. Die Verwandtschaft der üblichen Schulsprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch (die besonders als gedruckter Text deutlich wird) hat uns blind gemacht für die unabweisbare Tatsache, dass die Muttersprache die unbefragte Voraussetzung jeglichen Fremdsprachenerwerbs ist. Die Sprache, in der man aufwächst, in der man zugleich mit dem Sprechen das Denken lernt und sich die Welt erschließt, ist der Dechiffrierschlüssel für die Fügungsweisen einer anderen Sprache. Vielen gilt sie immer noch als Hypothek, die den Fremdsprachenschüler belastet. Sie ist aber ein Riesenkapital, das es richtig einzusetzen gilt. In ihr, mit ihr und durch sie lernt man eine fremde Sprache zu erfühlen und zu erfassen, bis diese sich selbst weiterbilden kann.

In einem Buchladen in Malta sehe ich ein Buch. Ich kenne das Titelbild, ich kenne den Autor und errate den Titel: Der kleine Prinz. Aber da steht

Il princep iz-zighr

         ???

Wörtlich:    der Prinz der kleine

Wenn man mir es so auf Deutsch erklärt, weiß ich sofort Bescheid und kann weitere Ausdrücke nach demselben ungewohnten Schema bilden:

Il bahar il-mejjet   das Meer das tote

Il bahar l’ahmar    das Meer das rote

So sagt’s der Malteser, im Deutschen gespiegelt. Einfacher geht’s nimmer.

Ein Unterricht, der die Muttersprachen gezielt mitbenutzt, statt sich von ihnen abschneidet, ist in unserer digitalisierten Welt auch in Klassen möglich, in denen Schüler aus unterschiedlichen Herkunftsländern zusammen sitzen – nicht durchgängig, aber weitgehend möglich. Millionen von Fremdsprachenschülern könnten es einfacher haben, wenn die Lehrer vom gewohnten Pfad abweichen und neue Texte über die Muttersprachen ihrer Schüler abklären würden. Klar: Es muss drin sein, was drauf steht. Im Deutschunterricht muss Deutsch gesprochen werden. Möglichst viel. Aber gerade in einem Unterricht, der die Muttersprachen geschickt mit ins Spiel bringt, gelingt dies am besten.

Praktische Hinweise, wie man die Muttersprachen seiner Schüler einbringt, finden Sie hier unter Projekt  > Didaktische Konzeption und unter Fremdsprachendidaktik.de.